Diese Katze muss die meisten Leben überhaupt haben! Auf Griechisch bedeutet ihr Name Wunder – und deren hat θάμμα wahrlich einige erlebt. Dass Thavma heute in einem ruhigen Bergtal in der Schweiz eine glückliche Pensionierung gar mit Freigang geniessen darf, ist nur eines davon! Ihre Kette der Wunder begann direkt nach der Rettung aus dem Strassengraben. Dass sie überhaupt noch lebte mit diesem grauenhaften Gesichtsschuss – es war unwirklich. Dass dann noch rechtzeitig eine Tierretterin vorbei kommt, ist wundersam. Dass die Tierärztin an diesem Abend keine Zeit mehr hatte fürs Einschläfern von Thavma war einfach pures Glück. Und dass es Thavma am nächsten Morgen wider alle Hoffnung und Wissen etwas besser ging, war absolut unglaublich. Die erstaunte Tierärztin rief dann sofort Thavmas Retterin an. Diese hatte am Vorabend noch tottraurig von Thavma für immer Abschied genommen und eben doch noch Futter in den Reha-Käfig gestellt. Jetzt berichtete ihr die Tierärztin, dass Thavma tatsächlich alles leer gefressen habe! Was für eine Kämpferin. Da musste nun auch die Retterin nachziehen und schlicht Himmel und Himmel für Thavma in Bewegung setzen. Als Helferin der Strassenhunde mit grossem Herz für Katzen und viel Mithilfe bei TNR-Kastrationseinsätzen des CH-Team vor Ort wird sie sehr geschätzt und ist stets im Austausch mit den Schweizer Volontären. Umgehend informierte sie jetzt alle und bat für Thavma, dass unser Netzwerk die Kosten der bevorstehenden schweren Kopf-OP übernehmen würde (denn Tierretter auf Santorini haben schon längst ihren letzten Cent für ihre Schützlinge ausgegeben). Die Retterin weiss ganz genau, dass 100% der Spenden für Streunerkastration und Futter im Winter sind. Aber sie kämpft für Thavma als ob sie in die Zukunft schauen könnte. Ja, wenn viele Menschen einen Mini-Betrag zahlen würden… Komm, sagen sich die Schweizer Helfer, wir müssen einfach zusagen, denn «jede Minute zählt und irgendwie werden wir die Kosten abstottern; wenn nur Thavma es jetzt schafft!» Dass das Überleben von Thavma ein grosses Wunder sein würde, das war zu diesem Zeitpunkt der Retterin und jedem von uns in der Schweiz glasklar! Es mussten zahlreiche Schrotsplitter aus ihrem Kopf, Augen/Innenohr und Nasen/Rachen/Mund entfernt werden. Grausam, aber leider Fakt auf Santorini sind diese «Schiessübungen auf Streuner». Thavmas Retterin nahm beim Vorbeifahren am Strassengraben diese typischen hilflosen Zeitlupen-Bewegungen wahr. Das angeschossene Tier kommt nicht vom Fleck, ist orientierungslos, traumatisiert. So tut die Frau, was ausserhalb unseres Netzwerks kaum je jemand macht: Sie stiehlt Zeit für Streunerhilfe, bravo. Und sie erfasst sofort die ganze Situation mit Schock, plötzlicher Blindheit, halb weggeschossenem Gesicht. Vielleicht konnte Thavma in diesem ersten Augenblick mit ihrer Retterin deren sanfte Worte tatsächlich hören? Vielleicht nahm die Katze ihre Schwingungen der Empathie und Hilfsbereitschaft wahr? Sicher ist, dass Thavma und ihre Retterin sofort eine direkte Bindung hatten. In diesem Moment muss die Kraft und Liebe entstanden sein, welche dazu beitrug, dass Thavma später auch zwei Mal erfolgreich reanimiert werden konnte. Diese Wunderkatze hielt am Überleben fest, obwohl ihr Körper nicht mehr konnte. Zuerst kam sie zwar relativ gut aus der Narkose raus. Ihre Retterin verbrachte geraubte Stunden bei ihr und aktualisierte die mittlerweile entstandene Thavma-SOS-Gruppe der Mini-Sponsoren. Aber Thavmas Kräfte waren dann absolut am Ende. In den nächsten Tagen bangten wir alle gemeinsam um ihr Überleben. Für uns waren es nochmals und zwei grosse Wunder, dass Thavma wiederbelebt werden konnte, als alle ihre Kräfte erneut zu versiegen drohten. Heute haben wir alle null Zweifel, dass Thavmas starker Überlebenswille gemeinsam mit der grossen Liebe ihrer Retterin dann trotzdem noch allerletzte Kräfte im geschundenen Körper mobilisieren konnten. Nach diesen schweren, bangen Momenten ging es dann aber nur noch aufwärts: Thavma erholte sich allmählich, kroch förmlich in die Retterin hinein bei deren Kurzbesuchen und tankte sich voll mit Lebensenergie und Liebe. Anders können wir uns ihre Reha-Erfolge auch gar nicht erklären. Und bereits gab Thavma so viel Liebe zurück, das liebevollste Wesen überhaupt. Nun wurde uns allen aber auch immer klarer: Ihr nächstes grosse Wunder mussten wir jetzt direkt steuern! So suchten die Schweizer Helfer das perfekte Zuhause für die blinde Reha-Katze. Und dieser Traum wurde wahr: Thavmas Forever-Mami gehört zu den einfühlsamsten Adoptionseltern, die wir je kennenlernen durften. Mit Liebe, Einlesen und neuem Wissen über blinde Katzen sowie ganz viel Bauch- und Feingefühl richtete sie für Thavma alles so ein, dass die Katzendame einziehen konnte, beinah nie alleine war, aber stets ihren sicheren Rückzugsort auf dem grosszügigen Katzenbaum hatte. Und Thavma erhielt alle Zeit der Welt. Sie meisterte die Anreise top und gewöhnte sich über viele Wochen hinweg stetig ein. Sehr lange blieb sie ohne aktive Unterstützung und Führung mit Stimme und Spiel einfach in ihrem bekannten Katzenbaum-Hafen, mit WC in nächster Nähe. Sie war nie scheu, genoss jede Aufmerksamkeit und vom ersten Tag an viel Nähe und Schmusen mit ihrem wundervollen Mami. Sie erhielt aber auch viel Zeit für Dösen auf dem Katzenbaum, mit stets aufmerksamen Ohren. So lernte Thavma alle Geräusche im alten Bauernhaus kennen, ja zu sehen, bis gar den Jahreszeiten. Diese beeindruckenden Monate des Lernens und der freudigen Fortschritte mit immer mehr Distanz zu ihrem «sicheren Hafen» verbinden uns alle sehr: Thavmas Retterin, ihre empathische Mami, alle Helfer und Sponsoren von Thavma sind und bleiben vereint durch die Liebe dieser sanftmütigen Kätzin mit den vielen Wundern. Wir dürfen weiterhin Teil haben an Thavmas Erfolgen. Wir teilen Videos mit der schmusenden Thavma, die auch gern gekämmt wird. Wir freuen uns so sehr, wenn wir Thavma im ausbüxsicheren Gärtli beim Sonnenbad sehen. Wir sind sprachlos, wenn Thavma dank akustischem Spieltraining rumtollt wie ein Teenager. Es ist für uns alle ein Wunder, wie motiviert und lernbegierig sie ist. Eine kluge Kätzin, ganz und gar auf ihren ureigenen Trainingsplan fokussiert, erhält sie von ihrer genialen Mami alle Zeit der Welt und mitfühlende Unterstützung. Das sanfte Training mit Geschirr und Leine gelingt dann ebenfalls: Im Sommer 2020 kann Thavma trotz Dunkelheit mit Erblindung im Alter und immer wieder neuen Erstbegehungen immer mehr Freigang im ruhigen Bergtal geniessen. Wir sind fasziniert. Und Thavma unendlich dankbar für so viel Lehrreiches, Wundervolles und Wundersames. Hoffentlich wirst Du noch viele Jahre glücklich im ruhigen Bergtal geniessen dürfen, liebe Thavma, Du Wunderbusi.